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Die Hövelsenner Kompanie


Hüterin der Tradition von Hövelsenne

Die Hövelsenner Kompanie nimmt im Rahmen der St. Hubertus-Schützenbruderschaft Hövelhof eine besondere Stellung ein, ist sie doch im Gegensatz zu den übrigen Kompanien eine "Kompanie ohne Land", denn das alte Hövelsenne ist nicht mehr: alle Wohnstätten, Kirche und Schule auf dem Truppenübungsplatz sind verfallen.

Zur Geschichte der Hövelsenner Kompanie Die Hövelsenner Kompanie wurde im Jahre 1920 als 3. Kompanie des Bürger-Schützenvereins Hövelhof gegründet. Der Kompaniebereich umfaßte das Gebiet östlich der Bielefelder Landstraße, die Killerriege bis Koors, von Koors über die Staumühler Straße bis Balke. Sie hatte zu Beginn etwa 80 Mitglieder. Erster Kompanieführer war der spätere Küster von Hövelhof Josef Rampsel.

 Im selben Jahr war Joseph Rampsel (Hövekenherm) erster berittener Platzmajor. Er nahm seine neue Aufgabe zum Ergötzen der Schützen und auch zum Schreck vieler Mütter und Kinder sehr ernst. 1924 löste Heinrich Schulmeister als neu gewählter Kompanieführer den ausscheidenden Hauptmann Josef Ramsel ab.

Sein Stellvertreter wurde Liborius Kamp.Mit dieser Amtsübernahme ging Heinrich Schulmeister eine lange Dienstzeit als Kompanieführer ein. 46 Jahre leitete er die Geschicke der Hövelsenner Hubertusschützen. Auf der im Jahre 1929 stattfindenden Generalversammlung wurde mit knapper Mehrheit der Beschluß gefaßt, die Kompanien für ein Jahr aufzulösen. Obwohl wichtige Gründe für diesen Beschluß sprachen, war er dennoch heftiger Kritik ausgesetzt.  Daher wurde der Beschluß auch bereits im folgenden Jahr wieder rückgängig gemacht. 1937 wurde Alois Marxcord nach dem Ausscheiden von Liborius Kamp zum neuen stellvertretenden Kompanieführer gewählt. Die Kompanie wuchs auf 130 Schützen an. Infolge des Ausbruchs des unseligen zweiten Weltkrieges kam am 01.09.1939 auch in Hövelsenne das Schützenwesen vollends zum Erliegen. Viele Schützen wurden nun zum Wehrdienst einberufen und unter den vielen Opfern des zweiten Weltkrieges sind auch eine Anzahl Hövelsenner Schützen zu finden. Ein zweiter schwerer Schicksalsschlag traf die Hövelsenner als im Jahre 1939 im Zuge der Erweiterung des Truppenübungsplatzes die ersten Hövelsenner Familien ihre Heimat verlassen mußten, war das ein tiefer Einschnitt für die Sennebewohner.

Man stelle sich den Ablauf in groben Zügen noch einmal vor: Da zog eine Verhandlungskommission der Reichsumsiedlungsgesellschaft von Haus zu Haus und schätzte den Wert der Höfe und Häuser. Sie machte Vorschläge, drängte und erwartete Entscheidungen, sich irgendwo in der Fremde anzusiedeln. Außerdem war Krieg, so daß Väter und Söhne (Hoferben) teilweise nicht zu Hause sein konnten. Es herrschte eine große Ratlosigkeit und Verzweiflung. Doch unter den damaligen diktatorischen Verhältnissen blieb den Hövelsennern keine andere Wahl, als sich mit der Umsiedlung abzufinden. Somit verließen im Jahre 1939 bereits 23 Familien ihre Heimat, im Jahre 1940 waren es 32 Familien und sieben Familien im Jahre 1941. Dies waren überwiegend selbständige Bauern und Landwirte, die auch wieder einen größeren Hof erwarben (Mecklenburg, Rheinland, Lippe, etc.). 12 Familien wurde ein Gelände in Hövelhof im Bereich des Jägerkreuzes angeboten. Es wurden Kaufverträge gemacht, die aber infolge des sich verschärfenden Krieges nicht mehr zur Geltung kamen. Überhaupt kam in den letzten Kriegsjahren die ganze Umsiedlung immer mehr ins Stocken.

Nach Beendigung des Krieges hofften nun alle noch verbliebenen Hövelsenner, daß die Umsiedlung gestoppt und nicht durchgeführte Verträge rückgängig gemacht werden würden. Lange war der Mittweg (Brunnenreihe) als Grenze im Gespräch. So wäre dann der größte Teil und auch der Ortskern (Schule, Kirche) erhalten geblieben. In diesem Bereich waren fast alle leerstehenden Häuser wieder bewohnt. Es bildete sich eine Interessengemeinschaft mit einem Rechtsanwalt als Sprecher (jede Familie zahlte monatlich 10,00 DM), um noch zu retten was möglich war.

Hätte es damals schon Fernsehen und Bürgerinitiativen an heutigem Verständnis und etwas mehr Unterstützung durch Behörden und Verbände gegeben, gäbe es wahrscheinlich noch den Ortsteil Hövelsenne. Auch das Forstamt Senne, zu der Zeit ein gewichtiger Sprecher in dieser Sache war gegen eine Rückgabe und schlug statt dessen eine Aufforstung des "kargen" Sennebodens vor.

Als im Jahre 1949 die St.-Hubertus-Schützenbruderschaft Hövelhof neu gegründet wurde, fanden sich auch die Hövelsenner trotz der herannahenden Aussiedlung wieder zusammen. Die erste Versammlung fand in der Gaststätte Menning statt.

Hövelsenner Kompanie 1949

69 alte und neue Mitglieder nahmen daran teil. Kompanieführer blieb Heinrich Schulmeister. Zum Stellvertreter wurde wiederum Alois Marxcord gewählt. In den sechziger Jahren fiel für viele Mitglieder der Hövelsenner Kirchengemeinde die endgültige und schmerzliche Entscheidung über das Schicksal ihrer Heimat. In Versammlungen wurde seitens der Bundesvermögensstelle immer wieder auf die Gültigkeit der im dritten Reich geschlossenen Verträge verwiesen. Die Hövelsenner wurden mit den Ostflüchtlingen vergleichen, denen noch viel mehr Unrecht geschehen sei. Verbitterung und Enttäuschung machte sich unter den noch verbliebenen Sennebewohner breit, und es kam, wie man es wohl erwartet hatte: Man resignierte, weil es keine Aussicht auf Erfolg gab. Die Interessengemeinschaft bröckelte auseinander. Nach und nach zogen die einzelnen Familien weg, überwiegend nach Hövelhof.

Statt eines zu erwartenden Mitgliederschwundes innerhalb der Kompanie gab es jedoch einen Zuwachs an Mitgliedern, was auch von einem sehr guten Zusammenhalt innerhalb der Kompanie zeugt. Alle Schützenbrüder, die sich außerhalb der Gemeinde Hövelhof angesiedelt hatten, wurden zu einer Gruppe zusammengefaßt. Ihr Gruppenführer wurde Heinrich Renneke. Die übrigen zehn Gruppen verteilen sich auf das gesamte Gebiet der Gemeinde Hövelhof, was der Hövelsenner Kompanie die Bezeichnung "Diaspora Kompanie" einbrachte. Für den verstorbenen stellvertretenden Kompanieführer Alois Marxcord wurde Konrad Schiermeyer für dieses Amt gewählt.

Am 11. Juli 1970 erhielt Xaver Rampsel im Hohen Dom zu Paderborn die Priesterweihe. Die Schützen holten ihren ehemaligen Prinzen im Autocorso aus dem Leokonvikt in Paderborn ab und brachten ihn zu seinem Elternhaus. Gegen Abend begleiteten ihn die Schützen zum Pfarrhaus, wo er von Pfarrer Heller begrüßt wurde. Am anderen Morgen fand in der Hövelhofer Pfarrkirche die Primizfeier des neuen Priesters statt. Seine erste Amtsstelle war in der Pfarrei Heiliger Geist in Iserlohn.

Bei der Jahreshauptversammlung trat nach 46-jähriger Tätigkeit (mit den Unterbrechungen während der Kriegszeit) Heinrich Schulmeister als Kompanieführer zurück. Sein Nachfolger Hauptmann Konrad Schiermeyer ernannte Heinrich Schulmeister zum Ehrenhauptmann. Zum stellvertretenden Kompanieführer wählte man Bernhard Hövekenmeier.

Die Hövelsenner Kompanie hatte zu diesem Zeitpunkt eine Gesamtmitgliederzahl von 112 Schützen. 1975 fand erstmals in der alten Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk in Hövelhof die Hubertusmesse statt. Den Gottesdienst feierte man im gleichen traditionellen Rahmen, wie zuvor in Hövelsenne. Nach der Heiligen Messe fand ein Umtrunk auf dem Platz hinter der Spadaka statt. 1977 mußte die Hubertusmesse wegen des Neubaus der Pfarrkirche in der Aula der Krollbachschule gefeiert werden. Trotz Platzschwierigkeiten und Improvisation war es eine würdige Feier. Da die Bautätigkeiten an der Pfarrkirche noch nicht beendet waren, mußte die Messe 1978 erneut in der Aula der Krollbachschule gefeiert werden. Am 15. September 1979 wurde die neue Pfarrkirche von Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt eingeweiht. So konnte die Hubertusmesse in diesem Jahr im neuen Gotteshaus gefeiert werden, wo sie auch weiterhin stattfindet. 1984 wurde der bisherige Schriftführer Josef Ramsel zum neuen stellvertretenden Kompaniechef für den ausscheidenden Bernhard Hövekenmeier gewählt.

1985 trat Konrad Schiermeyer nach 15-jähriger Tätigkeit als Kompaniechef von diesem Amt zurück. Der scheidende Kompaniechef wurde zum Ehrenhauptmann ernannt. Während seiner Amtszeit hatte sich die Mitgliederzahl um 105 auf 217 Schützen erhöht. Zum neuen Kompaniechef wählte man Josef Ramsel und zu seinem Stellvertreter Josef Fritze.

1986 richtete sich die Kompanie im Heimathaus eine "Hövelsenner Heimatstube" ein. Die Glocke, die in längst vergangenen Tagen die Senner zum Gottesdienst rief, steht jetzt im Heimathaus, desgleichen eine Anzahl von Statuen, Bildern und Einrichtungsgegenständen der Kirche.

Auf zahlreichen Fotos sind die Senner Landschaft, sowie die Menschen mit ihren Wohnstätten festgehalten. Das Inventar der Heimatstube soll ständig erweitert werden.

1987 wurde Anton Rampsel neuer stellvertretender Komanieführer für den ausscheidenden Josef Fritze.

Am 2. Februar 1989 verstarb der Ehrenhauptmann Heinrich Schulmeister. Heinrich Schulmeister gehörte im Jahre 1919 zu den Gründungsmitgliedern des Bürgerschützenvereins Hövelhof. Im Jahre 1924 löste er als neu gewählter Kompanieführer den ausscheidenden Hauptmann Josef Ramsel ab. Hauptmann Schulmeister führte die Hövelsenner Kompanie bis zum Jahre 1939. In der ersten Kompanieversammlung der im Jahre 1949 neu gegründeten St.-Hubertus-Schützenbruderschaft Hövelhof wurde er als Hauptmann der Hövelsenner Kompanie weiterhin in seinem Amt bestätigt. Während seiner langen Amtszeit gelang es ihm, im Jahre 1927 die Kronprinzen- und im Jahre 1950 die Königswürde zu erringen. Nach 46-jähriger Tätigkeit als Kompanieführer trat er im Jahre 1970 von diesem Amt zurück. Der scheidende Kompaniechef wurde zum Ehrenhauptmann ernannt. Während seiner langjährigen sehr engagierten Schützentätigkeit wurden ihm hohe Auszeichnungen, unter anderem auch das "St. Sebastianus Ehrenkreuz" und die "Graf von Galen Plakette", verliehen.

1990 hatte der Vorstand der Hövelsenner Kompanie erstmals alle Frauen von verstorbenen Schützenbrüdern zu einem Treffen in das Heimathaus eingeladen. Der fröhliche Nachmittag begann mit einem gemeinsamen Kaffetrinken. Anschließend wurden den Witwen unter sachkundiger Führung von Franz Berens die Einrichtungen des Heimathauses gezeigt. Sein nachfolgender Vortrag in plattdeutscher Sprache erntete großen Applaus. Wegen des großen Zuspruchs findet dieses Treffen seither alle zwei Jahre statt.

1992 ging nach intensiver Vorarbeit ein von vielen Hövelsennern langersehnter Wunsch in Erfüllung. Am 5. und 6. September hatten die Schützen der Hövelsenner Kompanie alle ehemaligen Bewohner von Hövelsenne zu einer Wiedersehensfeier eingeladen. Durch den Wegfall der innerdeutschen Grenze war es auch den Bewohnern aus Mecklenburg ermöglicht an diesem Treffen teilzunehmen. Sie reisten mit einem Omnibus und mehreren Pkw an. Aber auch aus vielen anderen Teilen der Bundesrepublik und sogar aus dem Ausland hatten einige den Weg zurück in ihre Heimat gefunden.

Schon vor dem Kaffetrinken konnte man auf dem Festplatz rührende Szenen der Wiedersehensfreude beobachten, wobei auch hier und da mal einige Tränen flossen. Die Unterhaltung während des Kaffetrinkens fand überwiegend in plattdeutscher Sprache statt. Ab 16.00 Uhr war den Gästen dann die Möglichkeit gegeben, mit dem Omnibus den ehemaligen Ortskern von Hövelsenne zu besichtigen. Ca. 400 Personen nutzten die Gelegenheit, sich die Überreste von Kirche und Schule anzuschauen. Hauptmann Josef Ramsel gab am Gedenkstein für die ehemalige St. Josephs Kirche einige Erläuterungen zum kirchlichen und politischen Geschehen zwischen Erbauung und Abriß dieser Filialkirche von Hövelhof. Am Abend zeigte Ortsheimatpfleger Johannes Buschmeier einige Dias von Landschaften und Gebäuden aus der Senne. Viele konnten auf diesen Bildern ihr Elternhaus wiedererkennen. Zum Schluß zeigte Herr Buschmeier noch einige Dias, die von der Familie Buchfeld mitgebracht worden waren. Herr und Frau Buchfeld waren die letzten Lehrer der Pankokenschule von Hövelsenne, bevor sie im Jahre 1966 geschlossen wurde. Zum Ausklang des Abends spielte eine Musikkapelle zum Tanz.

Der Sonntagmorgen begann mit einem von Pfarrer Josef Heller zelebrierten Gedenkgottesdienst im völlig überfüllten Festzelt. Für die musikalische Umrahmung sorgten das Jugendblasorchester und der Männergesangverein "Harmonie Hövelsenne-Hövelhof". Nach dem Gottesdienst wurden im Festzelt wieder Kaffee und Kuchen gereicht und draußen gab es eine Erbsensuppe aus der Gulaschkanone oder Gegrilltes vom Schwenkgrill. Weit über 1000 Gäste waren an diesem Sonntag erschienen und verlebten bei schönem Wetter einen fröhlichen Nachmittag. Als dann gegen 16.00 Uhr die Gäste aus Mecklenburg mit ihrem Bus die Heimreise antraten, war die allgemeine Resonanz zu diesem gelungenen Fest durchweg sehr positiv. Viele ließen sich zum Abschied schnell noch einmal im Festzelt fotografieren. Als Hintergrund für das Foto wurde meistens das von Johannes Bonke hervorragend gemalte Bild des Ortskernes von Hövelsenne gewählt. Teilweise, zwar wiederum mit Tränen in den Augen, aber in der Hoffnung, sich in Zukunft häufiger wiederzusehen, hieß es dann endgültig Abschied nehmen. Allen blieben diese zwei erlebnisreichen Tage sicherlich lange in guter Erinnerung. Auch die Hövelsenner Schützen konnten mit ihrer Leistung zufrieden sein, denn für dieses Fest wurden 140 Kuchen von Kompanieangehörigen freiwillig gespendet. Sogar die Ehefrauen und Freundinnen der Schützenbrüder waren an diesen beiden Festtagen unermüdlich im Einsatz.